11.10.2018

Prävention und Aufklärung, die richtig ankommt

Im zimbabwischen Minendistrikt Bubi ist jeder Fünfter Mensch mit HIV infiziert. Betroffene haben aber kaum Zugang zu medizinischer Hilfe. Zusammen mit unserer Partnerorganisation Bekezela schulen wir Jugendliche darin, sich richtig vor HIV/Aids und Frühschwangerschaften zu schützen.

Nobuhle Moyo und ihr Grossvater. Bekezela hilft den Erwachsenen die Situation und Gefühle ihrer Kinder besser zu verstehen.

In der Sekundarschule Bubi ist der Unterricht heute etwas anders. Die Klasse von Mary Ndlovu hat Besuch von der Sozialarbeiterin Sithokozile Nongo. Sie arbeitet bei Bekezela, einer Partnerorganisation von terre des hommes schweiz. Gebannt hören die 12- bis 14-Jährigen der Radiosendung zu, die sie den Schülerinnen und Schülern vorspielt. Bekezela nutzt solche Hörspiele, zur Sexualaufklärung in Bubi. Das Thema steht fix auf dem Lehrplan. Mary Ndlovu ist aber froh um die Unterstützung von Bekezela, die den Sexualunterricht spannend aufbereiten.

Die Klasse hört die Geschichte eines jungen Mädchens, das schwanger wird und sich obendrein mit HIV infiziert hat. Der Vater des ungeborenen Kindes ist viel älter und hat das Mädchen mit falschen Versprechungen von Geld und Liebe gelockt. Solche Geschichten sind in Bubi leider keine Seltenheit. Manche in der Klasse kennen selber Mädchen, denen es so ergangen ist.

«Die jungen Mädchen sind einfache Beute für die Minenarbeiter, die aus allen Landesteilen hierher kommen», sagt Sithokozile Nongo. «Bubi ist zu einer Art Schmelztiegel für verschiedene nationale Kulturen geworden – mit verheerenden Folgen für die sexuelle Gesundheit vor Ort», sagt Innocent Mlambo, Direktor von Bekezela.

Viele der Mädchen und Jungen wissen zwar genug über Sexualität. Allerdings sind sie oft nicht in der Lage dieses Wissen anzuwenden. Häufig sind die Mädchen nicht selbstbewusst genug, Sex abzulehnen oder geschützten Geschlechtsverkehr zu verlangen. Deshalb müssen auch ihr Selbstwertgefühl, Kommunikations- und Verhandlungssicherheit mit gestärkt werden.

Wird ein Mädchen wie im Hörspiel schwanger und steckt sich mit HIV an, erhält es oft viel zu spät oder gar keine ärztliche Betreuung. Das liegt einerseits an der schlechten medizinischen Versorgung in Bubi: Obwohl die Region nominell reich ist, liegen die meisten Gesundheitszentren weit weg. Andererseits trauen sich viele Mädchen erst spät, es ihren Eltern zu erzählen.

Schwangere Mädchen werden oft als Schuldige angesehen, unter Druck gesetzt und schlecht behandelt. Dabei wäre frühe medizinische Betreuung wichtig. Besonders bei HIV-infizierten. In solchen Fällen gilt es, das ungeborene Kind vor einer Infektion zu schützen.

Bekezela bezieht darum auch die Eltern und Erziehungsberechtigten der Jugendlichen ein und hilft ihnen, deren Situation besser zu verstehen. Genauso wichtig ist es, mit dem Krankenpersonal oder den Lehrpersonen zu arbeiten und sie für die Bedürfnisse der Jugendlichen zu sensibilisieren. Nur so lässt sich die gesundheitliche Situation der Jugendlichen dauerhaft verbessern.

Wie wichtig und positiv diese Arbeit ist, zeigt sich am Schulausgang, wo ein Grossvater mit anderen Erziehungsberechtigten auf die Jugendlichen wartet. Nach dem Aids-Tod ihrer Eltern nahm er seine Enkelin Nobuhle auf. «Ich bin so stolz auf sie», sagt er. «Dank der Elternkurse von Bekezela weiss ich heute viel besser, wie ich ihr beistehen kann. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Symbolbild Briefumschlag und ein Plus rechts unten in der Ecke.

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